nach Berlin

Die Straße läuft unter mir dahin. Von Moment zu Moment summieren sie die Meter zu Kilometern, welche sich wiederum in Bündeln von Hunderten bündeln. Direkt nach dem Unterricht bin ich aufgebrochen und habe den Bus Richtung Autobahn genommen. Letzte Woche hatte ich Pech, dem Busfahrer war aufgefallen dass meine Karte schon seit über einem halben Jahr abgelaufen war. Er hat sie einkassiert, in der Mitte durchgebrochen und mir vorgeworfen ich sei dreist. Da ich nicht vor habe noch lange in der Ostwestfälschen Stadt zu wohnen, trifft mich der Verlust der Karte nicht allzu schwer, jedoch hoffe ich dass der Busfahrer den Vorfall nicht meldet und mir so weitere Briefe erspart bleiben. Ich bleibe freundlich, kaufe mir eine Karte und zahle die 2,50€. Nun werde ich mir wohl für jede Busfahrt eine Karte kaufen müssen. Eine viertel Stunde Später verlasse ich den Bus, bedanke mich bei dem Busfahrer, und laufe Richtung Raststätte

Nach 10min herumfragen an der Tankstelle habe ich einen Fahrer gefunden der mich bis Dortmund mit nimmt. Während schnell die Autobahn lang fliegen unterhalten uns Übers Trampen, Reisen und Fliegen. Er empfindet es als eine Zumutung wenn er zum Business Meeting nach China in der tourist-class fliegen muss.

In Dortmund wechsle ich die Seite der Autobahn. 15 min zu Fuß unter einer Brücke durch, schon fährt die Autobahn wieder nach Norden. Ich jedoch suche ein Auto welches auf die A2 Richtung Osten abbiegt. Nach kurzem rumfragen sitze ich wieder bei einem Geschäftsmann im Auto. So geht es weiter während ich mich darüber freue dass es weiterhin sehr zügig weitergeht, geht die Unterhaltung schon wieder über China… Schon nach kurzer Zeit lässt er mich bei Gütersloh an der Raststätte ab.

Noch im Aussteigen frage ich eine Frau im ob sie mich ein Stück mitnehmen kann. Ohne zu zögern willigt sie ein. Ich steige hinter dem Fahrersitz ins Auto ein, da der Beifahrersitz schon besetzt ist. Die Beifahrerin fällt mir sogleich ins Auge, sie hat sehr markante Züge. Ich kann unmöglich ihr Alter schätzen. 15? 25? Die Haare kurz mit einer Schirmmütze bedeckt. Das Piercing in ihrer Unterlippe sticht schon von weitem ins Auge. Ich nenne meinen Namen, sie den ihrigen. Schweigen. Ich erkläre wo ich hin trampe, jedoch kommt kein Gespräch zustande. Kurz darauf kommt die Fahrerin zurück, reicht ihrer Beifahrerin einen Pappbecher mit Kaffee und fährt los. Ich schau auf der Karte bis wohin die beiden mich mitnehmen können und mache mir Gedanken über die beiden. Ob sie wohl ein Pärchen sind? wirklich passen würde es nicht. Das Schweigen im Auto empfinde ich als leicht drückend,es lässt sich kein Gespräch anfangen. Normalerweise habe ich keine Probleme mich mit meinen Fahrern zu Unterhalten, da das Trampen an sich schon genug Gesprächsstoff bietet. Jetzt jedoch kommt keine Konversation in Gang. Ich mache mir weiter Gedanken wie die beiden Frauen zusammenpassen. Von der Fahrerin habe ich kein wirkliches Bild da ich direkt hinter ihr sitzend, sie nicht ansehen kann. An der Beifahrerin fallen mir derweil weitere Details auf, Ihre Körperhaltung ist leicht ablehnend. Am Hals, vom Kragen weitgehend verdeckt scheint sie eine frische Narbe zu haben. Die Fahrerin hat die Beifahrerin und mich bei den wenigen Worten die gefallen sind gedutzt wird jedoch selbst von Ihrer Mitfahrerin gesiezt. Klar ist für mich nur dass die beiden nicht wirklich freiwillig zusammen unterwegs sind.

Meine Fantasie fängt an zu spinnen. Ich stelle mir vor dass ich es mit einer Sozialarbeiterin und einer Klientin zu tun habe oder mit einer Jugendamtsmitarbeiterin und einer Jugendlichen. Das „Mädel“ ist abgehauen und wird jetzt zurückgebracht. Oder (Stief)Mutter und (Stief)Tochter müssen sich arrangieren. Die Sonne senkt sich bereits zum Horizont und ich wünschte mir wir würden etwas schneller fahren. Während sich dass kleine Auto das Eggegebirge hochfährt sitzt ich auf der Rückbank und bin zu einem Teil eines Konfliktes geworden den ich nicht verstehe. Warum hat die Fahrerin mich mitgenommen? Ist sie Trampern besonders aufgeschlossen? Hat sie Angst vor ihrer Beifahrerin und hofft dass ich ihr Sicherheit vermittle? oder hofft sie über mich das Schweigen im Auto zu brechen?

Vielleicht sind die beiden einfach auch nur besonders müde und besonders schweigsam und ich phantasieren mir eine Geschichte zusammen. Wahrscheinlich sind meine Gedanken komplett falsch. Ich weiß es nicht. Kurz vor Hannover werde ich wieder an einer Raststätte abgesetzt. Noch immer ratlos was ich von den beiden halten soll, fange ich an die tankenden Autofahrer anzusprechen. Gleichzeitig wird es schon wieder Dunkel. Es wird Zeit dass ich ankomme.

Schließlich kann ich einen jungen Polen mit einem „dzień dobry“ (=guten Tag) überzeugen mich mitzunehmen. Er kann kaum deutsch, gibt mir erst einmal einen Kaffee aus, und bietet mir eine Zigarette an. Schnell sind wir im Gespräch und bedienen uns dabei Händen und Füßen. Jetzt wieder mit höherer Geschwindigkeit nähere ich mich Berlin während ich noch immer Rätsel was es wohl mit meinem letzten Auto auf sich hatte.

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